Ki-Aikido

Was ist Ki-Aikido?

Aikido ist eine auf traditionelle japanische Wurzeln (vor allem Ju jutsu und Schwerkunst) zurückgehende Kampfkunst. Sie wurde von Meister Uyeshiba entwickelt und von Meister Tohei weiterentwickelt. Das Besondere ist die Überwindung der Gegensätze zwischen Angreifer und Verteidiger. Statt in Kategorien wie Sieg und Niederlage stecken zu bleiben, geht es vielmehr darum, in den Bewegungen Harmonie zu finden. Der Angreifer verfehlt sein Ziel, weil ihm die Chance zur Kollision genommen wird.

Die Einheit von Geist und Körper ist Grundlage eines wirkungsvollen Aikidos. Im Aikido-Unterricht wird daher immer wieder geübt, diese dem Menschen ursprüngliche Einheit neu zu erfahren und zu bewahren. Es genügt eben nicht, körperlich fit und stark zu sein – der Geist wird ebenso trainiert. Qualitäten wie Präsenz, Gelassenheit und Wachheit sind Voraussetzung für einen entspannten, flexiblen Körper, der erst in der Lage ist, angemessen auf Gefahr und Angriff zu reagieren.

Aikido und Budo

Budo wird zu oft bloß als Kampfkunst übersetzt. Viele missbrauchen den Begriff auch, um nur eine Art körperlicher Aufrüstung zu kaschieren. Budo heißt jedoch zunächst, mit dem Kämpfen aufzuhören. Es bedeutet aber auch, mit Gefahr umzugehen. Budo ist Leben angesichts von Gefahr. Aikido ist eine Möglichkeit, das zu erreichen: Es ist die Kunst dafür Sorge zu tragen, dass kein gefährlicher Angriff möglich ist.

Der Begriff Aikido ist eine Zusammenfügung aus drei Schriftzeichen (Kanji):

Ai steht für Harmonie und natürliche Ordnung. Es meint im Aikido Angemessenheit und Rechtzeitigkeit der Aktionen, sowie die Natürlichkeit der Bewegungen. Es bedeutet aber auch die harmonische Einfügung in das Universum als Ganzes. Gerade das tiefe Verständnis dieser harmonischen Einfügung fordert eine erweiterte Wahrnehmung und lange Übung.

Ki wird oft mit Lebensenergie übersetzt. Es steht aber auch für das noch nicht ganz Klare, schon Wahrnehmbare, dem Kommenden unmittelbar Vorausgehende, manchmal auch das bloß Mögliche. Ki ist im Aikido-Unterricht ein zentrales Thema. Es zu spüren, zu entwickeln und zu entfalten ist Ziel vieler Übungen. Ki ist aber auch ein Konzept, mit dem wir uns Bewegungen erarbeiten.

Do (wörtlich „Weg“) ist ein wichtiger Begriff in der japanischen Kultur. Er bezeichnet im Aikido (wie auch in anderen Künsten) eine Haltung des stetigen Lernens und der Offenheit, der Bereitschaft zur Einsicht und der immer währenden Vervollkommnung. Aikido ist damit ein Weg zur Entfaltung der in jedem Menschen schlummernden Potenziale.

Aikido Unterricht

Wir üben Aikido in der Gruppe. Die Übungspartner übernehmen abwechselnd die Rolle des Angreifers (Uke) und des Angegriffenen (Nage). Uke zu sein heißt, wirkungsvoll und entspannt anzugreifen. Hitzigkeit und Aggressivität stehen einem wirkungsvollen Angriff ebenso im Wege wie einer lehrreichen Übungssituation. Es ist aber auch Aufgabe des Uke, sich zu schützen. Nage muss lernen, ruhige Gelassenheit zu wahren und angemessen zu reagieren. Wir üben dies durch Techniken. Doch sind die Techniken des Aikido bei aller Wirksamkeit nur Hilfsmittel, um das Wesen und die Prinzipien des Aikido zu erkennen und zu verinnerlichen.

Ki Unterricht

Ki zu spüren und zu lernen, damit wirksam umzugehen, ist ein Ziel, das wir im Ki-Unterricht verfolgen. Mit der Zeit entsteht ein immer klareres Bild davon, was Ki ist und welche Prinzipien ihm zugrunde liegen. Das Verständnis von Aikido ist ohne das Verständnis von Ki nicht möglich. Beides braucht Zeit. Der bewusste Umgang mit sowohl Ki als auch Aikido bedürfen jahrelangen Trainings, um zur Reife zu gelangen. Ein Ende der Entwicklung gibt es ebenso wenig wie ein Ziel.

Der Versuch, Ki oder Aikido mit dem Verstand allein zu erfassen, ist wie der Versuch, das Spiegelbild des Mondes im Wasser mit den Händen einzufangen. Und es ist ungefähr so Erfolg versprechend, wie die Beurteilung eines vorzüglichen Menus durch bloßes Anschauen. Ki und Aikido werden erst wirklich verständlich, wenn der Geist Ruhe und Frieden zu wahren weiß. Der Körper lernt, entspannt zu bleiben und dafür die eine oder andere Bewegungsgewohnheit zu ändern. Die verfeinerten Sinne lernen mehr und mehr, Ki wahrzunehmen.

Meditation

Meditationsübungen dienen dazu, eine neue Sicht auf Fühlen, Denken und Wahrnehmen insgesamt zu entwickeln. Meditation umfasst weit mehr als nur Versenkung. Es betrifft unser Handeln, das (wenn man genau schaut) ganz und gar auf unserer Wahrnehmung beruht.

Für eine unmittelbare Reaktionsfähigkeit ist es wichtig, das Denken in gut und böse, besser und schlechter zu überwinden. Alle Komparative führen nur in das Dickicht der Ahnungslosigkeit.

Wir können unser Denken nicht abschalten und wollen das auch nicht. Und Gefühle gehören zu jedem Menschen. Aber das Denken ist zu langsam, um mit Angriffen umzugehen. Und Gefühle von Furcht, Angst oder Wut können die Wahrnehmung der Situation behindern.

Meditation heißt auch: Tue etwas, was Du noch nie gedacht und schon gar nicht getan hast. Oder lasse einmal alles weg, was Du sonst immer tust. Jedes Koan will uns das eröffnen. So wie das Koan vom Hören: Wenn du weglässt Sinn und Klang, was hörst du dann?

Atemübungen

Für die geistige und körperliche Gesundheit ist eine freie Atmung und ein bewegliches Zwerchfell sehr förderlich. Atemübungen erleichtern die vollkommene Entspannung, die – anders als das bloße Erschlaffen – Körper und Geist als Einheit harmonisiert.


Weitere Informationen

Mehr zum Thema Ki-Aikido, sowie ausführliche Listen von Dojos und Lehrgängen gibt es auf der Homepage von Ki-Aikido Deutschland:

www.ki-aikido.de
Aktuelle Ki-Aikido-Lehrgänge

Ein kurzer Einblick in unseren Anfängerkurs im Hochschulsport findet sich bei Campus TV:

Aikido für Studis

Tsuzuki waza

Für die fortgeschrittene Praxis ist es sinnvoll, mehrere Techniken zu kombinieren. So entstehen Sets von meist sieben Techniken, die wir Tsuzuki waza nennen. Besser als mit einer Einzeltechnik lassen sich so Konzentration, Entspannung und Wahrnehmung in einem Fluss von Aktionen üben. Eine Liste der Tsuzuki waza gibt es hier als PDF-Datei:

Liste der Tsuzuki waza

Prüfungsordnung

Auch im Ki-Aikido gibt es Prüfungen. Anders als man es vielleicht aus der Schule oder von anderen Verbänden her kennt, dienen sie nicht dem gegenseitigen Wettbewerb, sondern allein dazu, den eigenen Fortschritt zu dokumentieren. Die aktuelle Prüfungsordnung für die Ki- und Aikido-Prüfungen gibt es hier als PDF-Datei:

Ki-Prüfungen (Shin Shin Toitsu Do)
Aikido-Prüfungen (Shin Shin Toitsu Aikido)